Hartmut Mehdorn und der Bahnausbau in Bamberg


Der Deutschen Bahn AG fehlt schon lange ein Motivator mit Sachverstand und Weitblick. Die Politik setzte seit Jahrzehnten auf die Straße und für Mehdorn galt schon immer die Devise: Eine möglichst hohe Rendite mit geringstem Aufwand zu erzielen. Hierzu gehörten Personalabbau, Stilllegungen sogenannter unwirtschaftlicher Bahnstrecken aber auch von Bahnhöfen und Nebengebäuden, die dem Verfall preisgegeben wurden.
Die Rechnung schien für Mehdorn aufzugehen, denn die Deutsche Bahn AG musste ihr Geld nicht beim Kunden verdienen - sie verdiente ihr Geld wie immer im Parlament - durch enorme Zuschüsse in Milliardenhöhe. Man hat schließlich die Bahn von allen Seiten hofiert. Trotzdem reichten die Zuschüsse nicht aus. Denn anstatt sich auf das Kerngeschäft in Deutschland zu konzentrieren vergeudete man die Steuermilliarden lieber im Ausland. Man fühlte sich schon als großer 'Global-Player'!
Gespart wurde dennoch, nämlich in Deutschland. Hier fährt die Bahn seit Jahrzehnten auf Verschleiß und lässt Fahrzeuge und Fahrwege verkommen. Schließlich weiß man, dass letztendlich für die Instandsetzung und für die Instandhaltung der Bund als Eigner der Bahn verpflichtet werden kann, d.h. der Steuerzahler.
Bei der Bahn fehlt es aber auch an Qualität, Sorgfalt und Leidenschaft. Fehlentscheidungen und illusorische Kostensteigerungen entbehren jeglicher Grundlage. Denken wir hier nur an STUTTGART 21 und bald an BAMBERG 33. Bamberg 33 deshalb, da der Baubeginn in Bamberg auf 12/2022 und das Bauende auf 10/2033 terminiert wurden.
Die Gesamtbauzeit beträgt somit 11 Jahre!
Allerdings wird es erste Einschränkungen für Reisende und Pendler bereits ab 09/2021 geben, denn dann beginnen die Arbeiten an den Bahnsteigen für die Gleise 2+3 und für die Gleise 6+8. Die beiden Bahnsteige sollen für den Halt der ICE (Lang-) Züge um 30m verlängert werden. Später wird es hierzu noch Spurplanänderungen geben.

Der Bestandsschutz der Bahn

Bestandsschutz wurde bisher von der DB AG an Eisenbahnstrecken als Bollwerk gegen Lärmsanierungsansprüche eingesetzt, indem man für alle bestehenden Strecken nur bei wesentlichen Änderungen einen Anspruch auf Lärmsanierung vorsieht. Bestandsstrecken werden um 11dB(A) schlechter gestellt als Neubaustrecken. Nur bei Baumaßnahmen, die eine wesentliche Änderung beinhalten, z.B. bei zusätzlichen Gleisen, treten dann die um 11 dB(A) günstigeren Vorsorgewerte ein.
Die Stadtspitze und die damalige GroKo des Bamberger Stadtrats scheiterten in ihrem Denkansatz u. a. an dieser Schutzklausel. Gemäß Aussage der DB AG zum Bestandsschutz glaubte nämlich diese Klientel, dass Lärmschutz in der Stadt nur dann zu bekommen ist, wenn sie dem 4-gleisigen Bahnausbau durch Bamberg (zwei zusätzliche Gleise) zustimmen. Leider reichte ihr Grundverständnis nicht aus, um zu erkennen, dass erst die beiden neuen Gleise noch mehr lärmenden Güterzugverkehr in die Stadt bringen werden.
Dabei wäre alles so einfach gewesen, denn ohne die beiden neuen Gleise gäbe es keinen zusätzlichen Bahnlärm in Bamberg und obendrein hätte man mit der Bahnsinn-Umfahrung auch noch den Güterzugverkehr aus Richtung Rottendorf (Würzburg) aus Bamberg verbannen können. Der Güterzuglärm geht damit gegen Null und das Lärmproblem wäre gelöst, denn laut unserer Befragung von Bahnanrainern sind nicht der ICE oder die Regional- und Nahverkehrszüge das Lärmproblem. Das Lärmproblem sind einzig und allein die Güterzüge, die in den Nachtstunden durch Bamberg rumpeln.

Doch die Stadtspitze und die GroKo setzten lieber auf die Lärm-Variante. Schließlich kann man sich vor Lärm durch Lärmschutzwände schützen!

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