Mit Lug und Trug zum Bahnausbau durch Bamberg


Der große Zuspruch zu meinen Ausführungen in der Bamberger Kultur-Fabrik (KUFA) am 28.Juni 2024 ermunterte mich, meinen in der KUFA gehaltenen 2-teiligen Vortrag gänzlich zu überarbeiten und aus einem Guss offenkundig zu machen, eine Art finale Chronik zum Bahnausbau durch Bamberg.

Vorwort

In einer öffentlichen Stadtratssitzung sagte einst der Bamberger Baureferent zu mir: Der Bahnausbau in Bamberg wird politisch entschieden und ich dachte sofort an STUTTGART 21. In Anlehnung hierzu veröffentlichte ich einen Bericht zum Bahnausbau durch Bamberg unter dem Kennwort: BAMBERG 33. Doch die Zahl 33 ist bereits überfällig, gibt es doch bis dato noch keinen Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes Nürnberg. Wahrscheinlich wird es BAMBERG 40 werden!

Im Bamberger Stadtrat und vor allem von der GroKo des damaligen Stadtrats konnte man immer wieder hören:

Die Bahn macht ja eh was sie will und der ICE-Halt in Bamberg ist in Gefahr. Beides klingt nach Hilflosigkeit und Inkompetenz!

Übrigens, das mit der Bahn stimmt! Denn die Bahn machte tatsächlich was sie will und zwar mit denen sie es machen kann und dazu gehörten auch die sog. Bamberger Entscheider.

Doch die Sache mit dem ICE-Halt in Bamberg ist grober Unfug und diente nur der Verunsicherung der Bamberger Bahnreisenden, denn zum ICE-Halt in Bamberg, Erlangen und Coburg gibt es seit 1995 einen Planfeststellungsbeschluss des EBA-Nürnberg und bereits heute - also ohne Bahnausbau - halten ICE-Züge im Stundentakt in Bamberg und mindestens fünf ICE-Sprinter fahren ohne Halt durch Bamberg.

Erst neulich konnte man im Fränkischen Tag (FT) wieder einmal vom Jahrhundertprojekt Bahnausbau durch Bamberg lesen - trotzdem die ganze Angelegenheit nichts anderes ist, als eine Generalinstandsetzung bzw. Generalsanierung der Bahninfrastruktur, nachdem die Bahn seit Jahrzehnten sowohl ihre Bahnanlagen (Gleise, Weichen etc.) und auch ihre Kunstbauten (Gebäude, Über- und Unterführungen etc.) hat verfallen und verrotten lassen.

Wie alles begann

Nach dem ersten Schock der Bürgerschaft, Mitte 2012 (Vorstellung des Bahnausbaus im Hegelsaal der Konzert- und Kongresshalle in Bamberg) was mit ihrer ehrwürdigen Stadt passieren soll (stark erhöhtes Güterzugaufkommen hinter mehr als 5m hohen Lärmschutzmauern) bietet zur Beruhigung der Gemüter, der damalige Projektleiter der Bahn, Herr Reiner Gubitz, eine Ostumfahrung-Bamberg an.

Aufgewertet wurde die Ostumfahrung-Bamberg durch eine Aussage von Herrn Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der DB AG für Bayern, der schon im Dezember 2012 im Koordinierungskreis Bahnausbau Bamberg davon sprach, dass die Ostumfahrung-Bamberg prinzipiell machbar ist - davon ausgehende Belastungen sind handhabbar und Beeinträchtigungen kompensierbar.
Des Weiteren führte er aus, dass die Bahn der Stadt Bamberg den 1-stündigen ICE-Systemhalt in Aussicht stellt. Doch dann müssen die Güterzüge um Bamberg herum geführt werden und damit wäre auch das Lärmproblem in Bamberg gelöst.

Doch dem Vorschlag der Herren Gubitz und Josel steht die Absicht der DB AG entgegen. Denn bereits 2014 hat sich die DB AG für die Weiterführung der Planungen der Durchfahrungsvariante entschieden, d.h. die DB AG will im Rahmen der Sanierung der Bahninfrastruktur in Bamberg die neuen Schnellfahrgleise gleich mit verlegen.

Gleichzeitig gibt die Bahn unmissverständlich zu verstehen, dass es beim Bau einer Ostumfahrung keinen Voll-Lärmschutz in Bamberg geben wird und verweist in diesem Zusammenhang auf den Bestandsschutz für bereits bestehende Strecken.

Der Bestandsschutz der Bahn wird hier als Bollwerk gegen Lärmsanierungsansprüche eingesetzt.

Die Bahn räumte jedoch ein, dass den Lärmsanierungsansprüchen der Stadt Bamberg gefolgt werden kann, wenn die Baumaßnahme - die Generalsanierung der bestehenden Infrastruktur in Bamberg - eine wesentliche Änderung beinhaltet, z. B. zusätzliche Gleise! Dies wäre bei der Verlegung der beiden Schnellfahrgleise durch Bamberg der Fall.

Damit war alles gesagt! Die Stadtspitze hat daraufhin ihre bisherige Grundeinstellung zum Bahnausbau in Bamberg aufgegeben, der Ostumfahrung abgeschworen und mutierte zur Idee der Bahn und damit zum Bahnausbau durch Bamberg, denn die Stadt verspricht sich neben dem zugesagten Voll - Lärmschutz auch Vorteile bei der Kostenbeteiligung als Kreuzungsbeteiligter gemäß EKrG für die neu zu errichtenden Bahn- und Straßenüberführungen.

Was die Stadtspitze in ihrer Euphorie allerdings nicht bedachte ist, dass auf den beiden Wunschgleisen der Bahn zuerst einmal zusätzlicher Bahnlärm die Stadt belasten wird, vor allem durch die Güterzüge die in Nord- Süd-Richtung und umgekehrt in den Nachstunden, mit hoher Geschwindigkeit durch Bamberg fahren werden und den Bahnanrainern ihren Schlaf rauben und zur Belohnung dafür bekommt die Stadt Bamberg den versprochenen Voll-Lärmschutz von der Bahn.
Ein 3-faches Hoch der Stadtspitze! Zuerst holt sie sich den Lärm in die Stadt um sich dann davor zu schützen. Einfach nur genial!
Dabei wäre alles so einfach gewesen, man hätte nämlich der Bahn den verweigerten Lärmschutz aus Bestandsschutzgründen gänzlich um die Ohren hauen können. Hier wäre im Gegenzug die Forderung nach Geschwindigkeitsreduzierungen, vor allem bei der nächtlichen Durchfahrt der Güterzüge durch Bamberg, ein Faustpfand gewesen, denn hier ist auch die Rechtsprechung auf der Seite von Bamberg. Man weiß doch schon lange, dass Lärm krank macht - ja, sogar auf Dauer zum Tode führen kann und das Geschwindigkeitsreduzierung ein wirksamer Lärmschutz ist, bezweifelt niemand!

Die Weichenstellung 'Am Börstig' oder das gegenseitige Nichteinsprechen

Am 30.07.2015 erlässt das Eisenbahn-Bundesamt, Außenstelle Nürnberg (EBA-N) den Planfeststellungsbeschluss zum 4-gleisigen Bahnausbau zwischen Hallstadt und Zapfendorf. Vom Beschluss des EBA-N war auch das Stadtgebiet Bamberg auf rund 200m Am Börstig betroffen. Deshalb hätte die Stadt Bamberg bereits 2013, also in der Offenlegungsphase des Planfeststellungsverfahrens für den PFA 23, einsprechen müssen, denn dem Beschluss folgend, steht die Bahn mit 4 Gleisen bereits Am Börstig und damit wird der weitere Bahnausbau in Richtung Bamberg auch 4-gleisig erfolgen.

Das Nichteinsprechen der Stadt Bamberg zeigt, dass es bereits zu diesem Zeitpunkt eine Vereinbarung mit der DB AG gab, denn die Bahn hatte im Planfeststellungsverfahren auch den Abzweig zu ihrer eigenen Ostumfahrung einfach vergessen und keiner hat`s gemerkt?
Zumindest gegen dieses grobe Versäumnis hätte die Stadt Bamberg einsprechen müssen, war doch die Ostumfahrung der Bahn in Bamberg noch hoch aktuell.

Allerdings wäre ein Einspruch kontraproduktiv gewesen, denn genau die Ostumfahrung der Bahn soll ja eliminiert werden - zumindest war es so vereinbart!

Im nächsten Schritt muss man noch die Ostumfahrungs-Visionen der Herren Gubitz und Josel wieder aus den Köpfen der Bamberger raus bringen und das gelingt am besten mit einer Verleumdungskampagne, nämlich mit einem

Kreuzzug gegen die Ostumfahrung

Hierzu erklärte OB Starke die Ostumfahrung zur ökologischen Todsünde und löste damit eine Initialzündung aus.

Mit Mutmaßungen und Falschaussagen gingen die CSU und SPD Stadträte, die sog. GroKo des Bamberger Stadtrats, gegen die Ostumfahrung vor. Hierzu gesellten sich noch persönliche Interessen, z.B. der Erhalt des Golfplatzes und öffentliche Äußerungen wie: nur Holzköpfe schicken den ICE durch unseren Hauptsmoorwald!

Das Trink- und Grundwasser ist in Gefahr, der Hauptsmoor- und der Bannwald wird zerstört und der ICE-Halt in Bamberg ist auch wieder einmal gefährdet. Das Baureferat erstellte sogar eine Matrix, die nur dem Zweck diente, die Ostumfahrung zu verteufeln.

Hat man doch bereits Gelder von der Bahn erhalten um frühzeitig nach neuen Trinkwasser-Reservoiren zu suchen und um später zwei Horizontal-Filterbrunnen zu bauen, die die 14 Brunnen der unteren Fassung (uF), die im Wasserschutzgebiet I stillgelegt werden, zu ersetzen. Bereits ein frühes und klares Indiz für die Abmachungen mit der Bahn bzgl. des Bahnausbaus durch Bamberg.

Vor allem aber mußte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Prüfung der Bahnsinn-Umfahrung verhindert werden, die von Bahnsinn immer wieder gebetsmühlenartig gefordert und zwischenzeitlich auch von mehreren Stadträten gestützt wird.

Der große Paukenschlag

Die Sache 'Am Börstig' war gut eingefädelt und die Stadtspitze in Bamberg war sich sicher, dass damit auch die Kuh vom Eis ist.

Trotzdem wäre es kurz vor Schluss fast noch zum Eklat gekommen!

Am 18.03.2016 schreibt nämlich FT-Chef-Reporter Wehner:
Ein Schreckgespenst taucht wieder auf und meint damit die Ostumfahrung-Bamberg im Bundes-Verkehrs-Wege Plan (BVWP 2030)

Im Bamberger Rathaus bricht schlichtweg Panik aus. Steht man doch kurz vor der verabredeten Abwahl aller Ostumfahrungen in der Stadtratssitzung am 27.04.2016 und jetzt lobt das BMVI die Ostumfahrung-Bamberg in höchsten Tönen und beschreibt sogar noch die großen Vorteile für Bamberg.

Jetzt nur nicht die Nerven verlieren ist die oberste Devise der Stadtspitze und den eingeweihten Stadträten und tatsächlich, auch ohne Sitzungsleitung von OB Starke, der glänzte nämlich durch Abwesenheit, hat sein Vize Dr. Lange die Abwahl-Sitzung mit Bravour gemeistert.

Am 27.04.2016, also nur 9 Monate nach Hallstadt/Zapfendorf, beschließt der Bamberger Stadtrat mehrheitlich den Ausschluss jeglicher Form einer Ostumfahrung und damit war der Weg frei zum Bahnausbau durch Bamberg.
Denn durch ihr Nichteinsprechen konnte sich die Bahn elegant ihrer eigenen Ostumfahrung-Bamberg entledigen, die dem Bahnausbau durch Bamberg noch hinderlich im Wege stand.
Darüber hinaus konnte sich der Bamberger Stadtrat auch der mehr als lästigen Bahnsinn-Umfahrung - und zwar ohne vorherige bahnunabhängige Prüfung - endgültig entledigen und gleichzeitig aus dem weiteren Trassen-Findungsprozess ausschließen.

Trotz aller sichtlichen Erfolge war das Ergebnis unterm Strich noch in der Schwebe. Doch hier half der große Bruder, die Bahn und mit der Bahn im Rücken, legte sich OB Starke bereits einen Tag nach der Abwahl, am 28.04.2016 mit dem BMVI an und schreibt einen dreisten Drohbrief.

Er beschwert sich wegen der Nichteinhaltung von getroffenen Vereinbarungen verbunden mit der Drohung sämtliche Klageregister zu ziehen, sollte das BMVI an der Ostumfahrung Bamberg festhalten.

Hierauf antwortete Frau Gerda Hasselfeldt am 17.05.2016 OB Starke wie folgt.
Da bei Ihrem konkreten Projekt das Nutzen-Kosten-Verhältnis mit 1,1 nicht sehr überzeugend war, musste bei der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans genau gerechnet werden. Deshalb hatte man für die Beurteilung die Umfahrungsvariante gewählt.

Am 29.04.2016 schaltet sich auch noch die Bayerische Staatsministerin Melanie Huml ein, die eigentlich mit dem Bahnausbau nichts zu tun hat und bittet ihren 'lieben' Alexander (gemeint ist der damalige Bundesverkehrsminister Dobrindt) den BVWP 2030 dahingehend zu ändern, dass die Bahnstrecke durch Bamberg gehen soll.

Der Bayerischer Innenminister Joachim Herrmann wollte auch noch mitmischen und äußerte sich anlässlich seines Besuchs in Hallstadt, dass es ohne den Bahnausbau durch Bamberg keinen S-Bahn-Halt 'Bamberg Süd' geben wird.

Der Dobrindt`sche Korridor

Wunschgemäß lässt Bundesverkehrsminister Dobrindt den BVWP 2030 ändern. Mit dem Kunstgriff eines Korridors ermöglichte nun der Bundesminister neben der Umfahrung auch die Durchfahrung von Bamberg und ignorierte damit bewusst die großen Vorteile der Ostumfahrung für Bamberg. Gleichzeitig wirft er damit eine Fangleine aus und mit dieser erreichten OB Starke & Co. zusammen mit der DB AG gerade noch das rettende Ufer zum Bahnausbau durch Bamberg.

Nichtsahnend vom Lug und Trug der Protagonisten beschließt am 03.08.2016 das Bundes-Kabinett in Berlin den geänderten BVWP 2030 und in Bamberg knallten vermutlich hierzu die Sektkorken!

Es brauchte noch ein INTERMEZZO und die Bahn spielte eifrig mit

Erstens, um die noch im Trüben fischenden Stadträte, die obendrein noch an die Ergebnisoffenheit des OB glaubten (ausgenommen die Stadträte der GroKo) und auch um die Planungsbüros weiterhin zu beschäftigen und Zweitens, um mit möglichst vielen unterschiedlichen Varianten und seien sie noch so absurd - Hauptsache, sie schaden nicht der Durchfahrungsvariante - in die endgültige Entscheidungsrunde gehen zu können, denn die Stadtspitze in Bamberg hatte längst im Hinterkopf, zum krönenden Abschluss, zusammen mit dem VWI Stuttgart, ein Bewertungssystem-Auswahlverfahren zu initiieren und hier sollte die Ebenerdige Durchfahrung (der 4-gleisige Bahnausbau durch Bamberg) als Sieger hervorgehen!

... und so kam es dann auch. Bewertungssieger beim VWI Stuttgart wurde erwartungsgemäß die 'Ebenerdige Durchfahrung' und mit der Empfehlung des VWI im Rücken wurde am 06.03.2018 die 'Ebenerdige Durchfahrung' mehrheitlich vom Bamberger Stadtrat zum Sieger gekürt und OB Starke eilte hinaus in die Stadt, verkündete die frohe Botschaft und schwärmte von der hervorragenden Arbeit des VWI und vom finalen Gutachten.

Eigentlich hat das VWI nur eine Empfehlung ausgesprochen aber ein Gutachten ist öffentlichkeitswirksamer und schließlich hat das ganze unnütze Gezeter dem Steuerzahler mindestens 70.000,00 € gekostet.

Die Folgen für Bamberg

Neben dem Neubau sämtlicher Eisenbahn Über- und Unterführungen sind weitere einschneidende Maßnahmen erforderlich:

  • der 4-gleisige Bahnausbau durch das Wasserschutzgebiet I und II, die Zerstörung des Bannwalds im Bamberger Stadtwald, die Schließung von 14 Trinkwasserbrunnen der unteren Fassung (uF) im Wasserschutzgebiet I und die Suche nach adäquaten Wasseradern für den Bau von zwei neuen Horizontal-Filterbrunnen. Allerdings wird die zukünftige Wasserqualität wegen der Schüttung, sprich der Bodenbeschaffenheit, sehr wahrscheinlich schlechter ausfallen.
    Ein besonderer Leckerbissen ist der Bau einer Grün-Brücke am alten Wild-Durchlass im Stadtwald zwischen den beiden Wasserschutzgebieten I + II.
    Die Grün-Brücke soll 4 Gleise nebst zugehöriger Oberleitungstechnik überspannen und für Mensch und Tier gleichermaßen begehbar sein. Man muss sich also untereinander verständigen, wer zuerst da war. M. E. ist der alte Wild-Durchlass ausreichend dimensioniert gewesen, man müsste ihn nur an die zukünftigen Gegebenheiten anpassen. Aber nein, man opfert dem mangelnden Vorstellungsvermögen einiger grüner Stadträte lieber ein Stück Stadtwald!

  • der Bau des Haltepunkts Süd, ein Haltepunkt den eigentlich keiner braucht, nur ein paar auswärtige Basketballfans, die schneller in die BROSE-Arena und wieder zurück nach Hause kommen wollen.

  • die Verlegung des neuen Ausziehgleises an der Oberen Schildstraße, hin zur Straßenmitte, halbiert die Obere Schildstraße und degradiert sie zur Einbahnstraße die in einer Sackgasse endet. Übrigens, einer der Krakenarme des Ost-Kreisels (am TOOM-Parkplatz) der Doppel-Kreisel-Unterführung endet direkt in dieser Sackgasse!

  • der Bau der Doppel-Kreisel-Unterführung, als Ersatz für die Nürnberger / Geisfelder Straßenunterführung, stößt überall und unisono auf Ablehnung und trotz eindringlicher Warnungen seitens der Bahn und des Eisenbahn-Bundesamts in Nürnberg, diese nicht zu bauen, da sie keinen zusätzlichen Nutzen bringt sondern nur Nachteile für die direkt Betroffenen, stellt sich das Baureferat quer und will in seiner Borniertheit mit dem Kopf durch die Wand. Übrigens, das Konzept des Doppelkreisels stammt vom Planungsbüro Emch & Berger in Nürnberg und ist keine Erfindung des Baureferenten!

  • das Überwerfungsbauwerk und der Abriss der neuwertigen SÜ Kronacher Straße ist überflüssig und genauso stand es auch einmal im BVWP 2030. Das Überwerfungsbauwerk zerstört obendrein die Liegenschaften der Kleintierzuchtvereine an der Coburger Straße!

  • die Auffahrtsrampe zur Querung des Bahnkörpers an der Coburger Straße und das neue Hafengleis. Die Auffahrtsrampe und die neue Straßenüberführung (SÜ) ist der maximal festgelegten Steigung von 12,5 0/00 für Alt-Bau Strecken (ABS) der Bahn geschuldet, d.h. die neu zu verlegenden Gleise in Richtung Rottendorf erreichen am alten Scheitelpunkt an der Coburger Straße, die Ebenerdigkeit zur Straße nicht mehr sondern erst weiter nördlich, auf Höhe der Fa. Kaspar Schulz und nur deshalb muss die Auffahrtsrampe und eine neue SÜ gebaut werden!

  • der Neubau der Autobahnbrücke BAB 70 bei Hallstadt. Die Bahn forderte für den 4-gleisigen Bahnausbau einen Neubau mit einer größeren lichten Weite und einer vergrößerten lichten Höhe. Der Abriss und die Neutrassierung sind bereits im vollen Gange.

Alle diese Maßnahmen krönt letztendlich der Deutschen Bahn liebste Kind, der kilometerlange und meterhohe Mauerbau - ähnlich wie in der Zeit der alten Römer, der Bau des LIMES und des HADRIAN-Walls - doch heute fragt man sich: wer soll eigentlich hier vor wem geschützt werden? Die Bahn vor den Bürgern oder die Bürger vor der Bahn? Der Lärmschutz selbst scheint eher zweitrangig.

Die Einzigen, die sich wirklich auf diese übergroßen Leinwände für ihre Schmierereien freuen, ist die Sprayer-Gilde und wer`s nicht glauben will, dem empfehle ich eine Bahnfahrt von Erlangen nach Nürnberg. Die reinste Zumutung und ein negatives Aushängeschild für die Deutsche Bahn!

Übrigens!
Der Bahnausbau durch Bamberg soll unter rollendem Rad geschehen wobei eine tägliche Bauzeit von 05:00 h früh bis 23:00 h nachts vorgesehen ist.

Bahnsinn-Bamberg

Der Grundtenor von Bahnsinn-Bamberg e.V. lautet:
alles was in Bamberg nicht hält und nur Gefahren und Lärm mit sich bringt, hat in Bamberg nichts verloren.

Bei der Bahnsinn-Umfahrung werden die beiden neuen Gleise für die Güterzüge und den ICE-Sprintern entlang der BAB 73 um Bamberg herumgeführt. Die Besonderheit der Bahnsinn-Umfahrung (Alleinstellungsmerkmal) ist die Westanbindung über das bestehende Gleisdreieck am Aufseßhöflein und dem Haltepunkt Hallstadt an die Umfahrung. Der Bamberger Bahnhof und die Bestandstrasse bleiben von Baumaßnahmen nahezu unberührt. Zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen sind nicht erforderlich.

Bahnsinn kann sich bis heute nicht damit abfinden, dass ihre Variante vom Stadtrat per Beschluss einfach und unbegründet verworfen wurde und hat deshalb ein bekanntes Planungsbüro in Nürnberg gebeten, die Bahnsinn-Umfahrung auf Machbarkeit hin einzuschätzen. Das Planungsbüro antwortete uns wie folgt:
Vielen Dank für die Zusendung ihrer umfänglichen Ausarbeitung. Ihre Bitte verstehen wir so, dass Sie eine technische Einschätzung zu Ihrem Entwurf möchten ohne Bezug zur Politik und führte aus:
Die Fahrstrecke entlang der BAB 73 (Verkehrs- und Lärmbündelung) nebst Unterfahrung des Kreuzes BAB 70 und die Kurve zurück nach Hallstadt sind möglich. Das Planungsbüro räumte jedoch ein, dass u. U. für die längere Fahrstrecke eine höhere Trassen-Nutzungsgebühr anfallen wird. Im Ergebnis ist ihre Lösung in Ordnung und technisch gesehen auch machbar.

Wenn man noch dazu weiß, dass die Umfahrung im Gleisdreieck am Aufseßhöflein bis 1967, 2-gleisig erfolgte, dann kann man nur erahnen, welch großes Potential in der Bahnsinn-Umfahrung steckt.

Bahnsinn-Bamberg wollte und konnte auch das Bewertungsergebnis des VWI in Stuttgart, das ohne eine Bewertung der Bahnsinn-Umfahrung zur Entscheidung für den Bahnausbau durch Bamberg führte, nicht hinnehmen und hat in eigener Regie die Bewertung der Bahnsinn-Umfahrung nach den Kriterien des VWI Stuttgart nachvollzogen.

Unsere Bewertung zeigte, dass die Bahnsinn-Umfahrung in Stuttgart mit 413 Bewertungspunkten als erster Sieger den Platz verlassen hätte, also klar vor der Durchfahrungs-Variante, die in Stuttgart mit 354 Punkten höchstbewertet wurde.

Wir haben hierzu unsere Unterlagen schriftlich OB Starke und dem Baureferenten überlassen und um Stellungnahme und Weiterleitung zur Nachprüfung an das VWI Stuttgart gebeten. Vom Baureferat kam wie gewohnt keine Antwort und OB Starke antwortete wie folgt: Zu keinem Zeitpunkt war eine Prüfung der Bahnsinn-Umfahrung beim VWI Stuttgart vorgesehen, dies hätte auch im Widerspruch zur Entscheidung des Bamberger Stadtrates gestanden.

Doch, was hätte geschehen müssen?

Die Bahnsin-Umfahrung, hätte es mehr als nur verdient gehabt bahnunabhängig geprüft zu werden.
Wir haben unsere Bitte um Prüfung gebetsmühlenartig der Stadtspitze und den Bamberger Stadtratsfraktionen angetragen und außer lapidarer Absagen haben wir uns zusätzlich noch einen dummen Spruch von Herr Stieringer anhören müssen. Herr Stieringer äußerte sich in einer öffentlichen Stadtratssitzung zu unserer Bitte wie folgt:

Wir lassen uns doch vom Bürger nicht sagen, was wir zu tun haben.

Doch hätten nicht Klugscheißer wie ein Herr Stieringer und andere politischen Bemüher und Hinwegducker in Bamberg den Bahnausbau mit entschieden, sondern Leute mit Sachverstand und ein Herz für Bamberg, dann müssten wir uns hier und heute nicht über stadtgestalterischen Lärmschutz unterhalten und auch nicht über die ICE-Sprinter, die mit 230 km/h durch den Bamberger Bahnhof rasen werden, entlang am Hausbahnsteig und hinter meterhohen Mauern, allerdings nicht für den Lärmschutz sondern für den Personenschutz. Geschweige über Güterzüge, die in den Nachtstunden mit hoher Geschwindigkeit durch Bamberg fahren und den Bahnanrainern ihren Schlaf rauben. Man weiß es schon lange und man kann es gar nicht oft genug wiederholen, dass Lärm krank macht und schlimmsten Falls zum Tod führen kann.

Doch die Bedenken der Bürgerschaft finden kein Gehör mehr bei den Stadt-Oberen.

Das beste Beispiel ist der beschlossene Bau der Doppel-Kreisel-Unterführung im Stadtteil Wunderburg. Jedermann hat sich gegen diesen Bau ausgesprochen: die Wunderburger, der TOOM-Baumarkt (der hierfür das Feld räumen muss) aber auch die Deutsche Bahn AG mit Schreiben vom 01.06.2021 an das Stadtplanungsamt und das Eisenbahn-Bundesamt in Nürnberg mit Schreiben vom 08.06.2021 an die selbige Institution lehnen die Verschiebung des Kreuzungspunktes wegen erheblichen Eingriffen und Drittbetroffenheiten grundsätzlich ab. Des Weiteren ist seitens der Stadt Bamberg weder die Umsetzbarkeit noch die Finanzierung geklärt.

Doch das interessierte die Stadt Bamberg nicht und sie besteht - auch ohne finanziellen Hintergrund - auf dem Bau der Doppel-Kreisel-Unterführung und auch die große Mehrheit im Bamberger Stadtrat hat hierzu die Hand hoch gehalten, ohne zuvor die Bürger zu befragen die es betrifft und die sie eigentlich vertreten sollen.

Zusammenfassung

Wie bereits eingangs erwähnt befindet sich die Bahninfrastruktur in Bamberg in einem desolaten und maroden Zustand und muss generalsaniert bzw. erneuert werden. Doch dies hat mit einem Bahnausbau nichts zu tun, denn diese Arbeiten müssen ohne Umfahrung im vollen Umfang und mit Umfahrung nur teilweise geleistet werden!

Rein kostenmäßig gesehen wäre der Bau einer Ost-Umfahrung nebst der Sanierung der bestehenden Bahninfrastruktur in Bamberg nicht teurer als die Generalsanierung des Bahnausbaus durch Bamberg aber viel lärmverträglicher, zeitlich sehr viel kürzer (ca. 6 Jahre) und die zum Teil nutzlosen, teiltransparenten, bis zu 5 m hohen Lärmschutzwände könnten entfallen. Das Stadtbild bliebe erhalten und auch der Welterbe-Anspruch.

Bahnsinn-Bamberg e.V. hat mehrmals gegen das Planfeststellungsverfahren und gegen die Planänderungen eingesprochen und obendrein wegen Nichtprüfung unserer Variante eine schriftliche Beschwerde bei der Regierung von Oberfranken in Bayreuth eingereicht. Sollte das Eisenbahnbundesamt in Nürnberg, trotz unserer Beschwerde den Planfeststellungsbeschluss für den PFA 22 erlassen, dann bliebe letztendlich nur noch der Gang nach Leipzig zum Bundesverwaltungsgericht!

Doch dieser ist aufwendig und für Bahnsinn-Bamberg, ohne ein klares Mandat aus der Bamberger Bürgerschaft, nicht möglich.
Inwieweit das BVG in Leipzig einer Klage gegen das EBA-N folgen bzw. stattgeben wird, ist wegen des großen Planungsfortschritts unwahrscheinlich.

Nachtrag

Zur Entscheidung des Bahnausbaus durch Bamberg schrieb die Stadträtin und Mitglied des Landtags, Frau SOWA am 10.September 2018 im Fränkischen Tag (FT) folgendes:

Viele Stadträte haben keine Ahnung von dem, was sie beschlossen haben!

Eine klare Aussage von Frau SOWA, doch es gab bereits 2014 eine mahnende Stimme, nämlich die von Herrn Dr. Diehl.

Auf Fürsprache von Bahnsinn-Bamberg e.V. hat das Baureferat Herrn Dr. Diehl - Sprecher der IG BOHR (Interessen-Gemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hoch-Rhein) und Mitglied des Projektbeirats Bahnausbau Ober-Rheintal - für den 07.Oktober 2014 nach Bamberg eingeladen.

Grund der Einladung war, Herrn Dr. Diehl zu befragen, wie es in Freiburg gelungen ist, gegen alle Widerstände der Bahn und anfänglich auch der Stadtverwaltung, eine Güterzugumfahrung durchzusetzen.

Im Spiegelsaal der Harmonie in Bamberg zeigte Herr Dr. Diehl zur Vorgehensweise bis dato noch nicht bekannte Wege auf, die bei allen Anwesenden und auch beim OB völlig neue Betrachtungsweisen hätten auslösen müssen.

Der eindeutige und in aller Klarheit von Herrn Dr. Diehl herausgestellte Tenor der Veranstaltung lautete:

Der Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung der Stadt Bamberg sind vom Sachverstand und von ihrer Entscheidungsbefugnis her nicht legitimiert, den Bahnausbau in Bamberg zu entscheiden.

Auch der Stadtrat darf von der Stadtspitze nicht bedrängt oder gar zu einer voreiligen Abstimmung zu Gunsten einer bestimmten Trasse genötigt werden.

In jedem Fall sind bahnunabhängige Sachverständige mit Machbarkeitsstudien und darüber hinaus das Wasserwirtschaftsamt in Kronach mit Gutachten zur Trink- und Grundwassersituation in der Bamberger Nord- und Süd-Flur zu beauftragen. Danach ist die große Politik gefordert.

Was überhaupt nicht geht und schon gedanklich verwerflich wäre ist, die von krank machendem Lärm begleitete Durchfahrt der Güterzüge durch Bamberg, noch dazu hinter meterhohen Lärmschutzmauern!

Hier sind Umfahrungs- oder Tunnellösungen anzustreben, die nur von den Entscheidungsträgern an der Spitze der Bundesregierung beschlossen und als Auftrag an die Deutsche Bahn erteilt werden können. Soviel zu den damaligen Ausführungen von Herrn Dr. Diehl.

Doch seine Worte und Mahnungen fanden in Bamberg kein Gehör und verpufften wie Schall und Rauch!

Schlusswort

Der Bahnausbau durch Bamberg ist nicht nur die schlechteste Lösung für Bamberg und für alle direkt aber auch indirekt Betroffenen, sie ist auch die teuerste und langwierigste!
Wieder einmal werden Millionen von Steuergeldern unnütz aus dem Fenster geworfen. So war es für STUTTGART 21 und so wird es für BAMBERG 40 wieder sein. Wenn man weiß, dass weder die DB AG noch die Stadt Bamberg auch nur einen €-Cent auf der hohen Kante haben, dann muss man hier von totaler Verblendung sprechen. Doch demokratische Regeln scheinen den zuständigen Politikern abhanden gekommen zu sein. Denn entschieden wird immer öfter frei nach dem Motto: der Steuerzahler wird`s schon richten! Doch wie lange geht das noch gut? Möglicherweise brauchen wir nur bessere Politiker.

Anhang:
Bilder zum Thema - Die Zerstörung beginnt - auch ohne Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamtes-Nürnberg!

Regional-Express im Wasserschutzgebiet I

Regional-Express im Wasserschutzgebiet I (WSG I-Schild im Vordergrund).



Wasserschutzgebiet I

Jetzt kann man endlich die vorbei fahrenden Züge durch das Wasserschutzgebiet I viel besser sehen!



Teilansicht der Brunnengalerie im Wasserschutzgebiet I

Teilansicht der Brunnengalerie im Wasserschutzgebiet I der unteren Fassung (uF).



Aufstieg zum Einstieg in das Brunnenhaus

Der Aufstieg zum Einstieg in das Brunnenhaus des Tiefbrunnens im Wasserschutzgebiet I der unteren Fassung (uF).



Die beiden Brunnen Nr.18 im Wasserschutzgebiet I

Die beiden Brunnen Nr.18 im Wasserschutzgebiet I der unteren Fassung (uF) müssen ebenfalls geschlossen werden.



Deckel der beiden Flach-Brunnen Nr.18 im Wasserschutzgebiet I

Die Deckel der beiden Flach-Brunnen Nr.18 zeigen, dass die beiden Brunnen seit 1929 ihr Trinkwasser für Bamberg liefern. Zum Dank dafür sollen sie jetzt zugeschüttet werden.



Die Zerstörung beginnt

Die Zerstörung beginnt und auch der Erdhobel steht schon bereit, für den Straßenbau durch den Bannwald.



Die Zerstörung des Bannwalds

Ja, so sieht sie aus - die rücksichtslose Zerstörung des Bannwalds.



Der Bau des Horizontal-Filterbrunnens

Der Kahlschlag ist gelungen, der Bau des Horizontal-Filterbrunnens kann beginnen aber es gibt noch Probleme mit der Geologie.



Die Holzausbeute aus dem Bannwald

Die Holzausbeute aus dem Bannwald wurde für den Abtransport bereitgestellt.



Der Regional-Express von Coburg nach Nürnberg

Der Regional-Express von Coburg nach Nürnberg am Wild-Durchlass!



Der Wild-Durchlass im April 2024!

Der Wild-Durchlass im April 2024! Im Hintergrund kann man noch den intakten Wald auf der anderen Bahnseite erkenne.



Der Wild-Durchlass im September 2024!

und so sieht es seit September 2024 auf der anderen Seite aus! Im Hintergrund ist der Wild-Durchlass noch zu erkennen.



Auf dieser Bank sind wir oft gesessen

Auf dieser Bank sind wir oft gesessen, meine Frau und ich - doch das war einmal …



bei Nacht und Nebel abgeholzt

… denn so sieht es jetzt an dieser Stelle aus! Am linken Bildrand ist noch unsere Bank zu erkennen, doch alles rund herum wurde bei Nacht und Nebel abgeholzt.



IC 2 von Karlsruhe nach Leipzig

Ein Bild, das es in dieser Idylle nie wieder geben wird, zeigt den IC 2 von Karlsruhe nach Leipzig auf Höhe des Wild-Durchlasses und genau hier soll die Grün-Brücke gebaut werden einfach nicht zu fassen.



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